Amazon Differenzbesteuerung: Umsatzsteuer auf Gebrauchtware nach § 25a UStG
Du kaufst gebrauchte Ware von Privatpersonen und verkaufst sie bei Amazon? Dann kann die Differenzbesteuerung gelten: Die Umsatzsteuer fällt nur auf den Betrag an, um den dein Verkaufspreis den Einkaufspreis übersteigt (§ 25a Abs. 3 UStG). Das Gesetz knüpft das nicht an einen Verkaufskanal, sondern an dich als Wiederverkäufer und an deinen Einkauf. Für Verkäufe in andere EU-Länder gilt eine Besonderheit.
Zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2026
Kurz gesagt
- Voraussetzung: Du bist Wiederverkäufer, hast die Ware im Gemeinschaftsgebiet ohne geschuldete Umsatzsteuer oder differenzbesteuert eingekauft, und sie ist weder Edelstein noch Edelmetall (§ 25a Abs. 1 UStG). Ausgeschlossen ist Ware, die steuerfrei innergemeinschaftlich an dich geliefert wurde (§ 25a Abs. 7 Nr. 1 Buchstabe a UStG).
- Steuer: auf die Differenz zwischen Verkaufs- und Einkaufspreis, mit dem allgemeinen Steuersatz (§ 25a Abs. 3 und 5 UStG).
- Rechnung: kein gesonderter Steuerausweis, dafür die Angabe „Gebrauchtgegenstände/Sonderregelung“ (§ 14a Abs. 6 UStG).
- EU-Ausland: § 3c UStG und die Steuerbefreiung für innergemeinschaftliche Lieferungen sind bei der Differenzbesteuerung ausgeschlossen (§ 25a Abs. 7 Nr. 3 UStG).
- Aufzeichnungen: Verkaufspreise, Einkaufspreise und Bemessungsgrundlagen müssen aus deinen Aufzeichnungen hervorgehen (§ 25a Abs. 6 UStG).
Darfst du bei Amazon die Differenzbesteuerung nutzen?
§ 25a UStG gilt für Lieferungen beweglicher körperlicher Gegenstände, wenn alle drei Voraussetzungen erfüllt sind (§ 25a Abs. 1 UStG):
- Du bist Wiederverkäufer. Das ist, wer gewerbsmäßig mit beweglichen körperlichen Gegenständen handelt oder solche Gegenstände im eigenen Namen öffentlich versteigert.
- Die Ware wurde an dich im Gemeinschaftsgebiet geliefert, und für diese Lieferung wurde keine Umsatzsteuer geschuldet oder der Lieferer hat selbst die Differenzbesteuerung vorgenommen.
- Die Ware ist weder Edelstein noch Edelmetall (nach den im Gesetz genannten Zolltarifpositionen).
Die Differenzbesteuerung findet keine Anwendung, wenn du die Ware innergemeinschaftlich erworben hast und auf die Lieferung an dich im übrigen Gemeinschaftsgebiet die Steuerbefreiung für innergemeinschaftliche Lieferungen angewendet worden ist (§ 25a Abs. 7 Nr. 1 Buchstabe a UStG). Entscheidend ist also dein Einkaufsbeleg, nicht die Plattform. Die Regeln im Einzelnen, etwa wer als Lieferant in Frage kommt, Verzicht und Gesamtdifferenz, stehen in eBay Differenzbesteuerung; sie gelten für Amazon-Verkäufe genauso, weil das Gesetz nicht nach Verkaufskanal unterscheidet. Diese Seite wiederholt sie nicht, sondern zeigt, was ein Amazon-Verkäufer prüfen sollte.
Welche Einstellung oder welchen Kennzeichnungsweg Amazon selbst für Differenzbesteuerung vorsieht, erfährst du von Amazon. Die Amazon-Hilfeseite zum Umsatzsteuer-Berechnungsservice nennt die Differenzbesteuerung nicht; diese Seite stützt sich deshalb auf das Gesetz.
Wie rechnest du die Steuer?
Die Steuer wird nicht aus dem Verkaufspreis, sondern aus der Differenz berechnet; die Umsatzsteuer gehört nicht zur Bemessungsgrundlage (§ 25a Abs. 3 UStG). Es gilt der allgemeine Steuersatz (§ 25a Abs. 5 UStG), also 19 Prozent (§ 12 Abs. 1 UStG).
Ein Beispiel mit erfundenen Zahlen:
| Schritt | Beispiel |
|---|---|
| Einkaufspreis (von einer Privatperson) | 30,00 Euro |
| Verkaufspreis bei Amazon | 49,90 Euro |
| Differenz | 19,90 Euro |
| Bemessungsgrundlage: 19,90 geteilt durch 1,19 | 16,72 Euro |
| Umsatzsteuer: 19 Prozent der Bemessungsgrundlage | 3,18 Euro |
Liegt der Verkaufspreis nicht über dem Einkaufspreis, etwa Einkauf 60,00 Euro und Verkauf 45,00 Euro, gibt es für diesen Gegenstand keine Bemessungsgrundlage. Statt der Einzeldifferenz kannst du für Gegenstände mit einem Einkaufspreis bis 750 Euro die Gesamtdifferenz bilden: Du vergleichst die Summe der Verkaufspreise mit der Summe der Einkaufspreise eines Besteuerungszeitraums (§ 25a Abs. 4 UStG).
Was musst du aufzeichnen?
Aus deinen Aufzeichnungen müssen die Verkaufspreise, die Einkaufspreise und die Bemessungsgrundlagen zu ersehen sein. Wendest du neben der Differenzbesteuerung die Besteuerung nach den allgemeinen Vorschriften an, führst du getrennte Aufzeichnungen (§ 25a Abs. 6 UStG). Bewahre deshalb zu jedem Gegenstand den Einkaufsbeleg auf; wie lange, steht in Belege aufbewahren: Fristen und Regeln. Wer Neuware mit Vorsteuerabzug und Gebrauchtware verkauft, hält beide Warengruppen auseinander.
Wie sieht die Rechnung aus?
Bei differenzbesteuerten Lieferungen hat die Rechnung die Angabe „Gebrauchtgegenstände/Sonderregelung“ zu enthalten, und die Vorschrift über den gesonderten Steuerausweis findet keine Anwendung (§ 14a Abs. 6 UStG). Was eine Amazon-Rechnung sonst enthält, steht in Amazon: Umsatzsteuer auf der Rechnung ausweisen.
Was gilt bei Verkäufen in andere EU-Länder?
Für differenzbesteuerte Ware ist der OSS kein Weg: Die Lieferung ist von der Sonderregelung für Fernverkäufe ausgenommen (§ 3c Abs. 5 Nr. 3 UStG), und § 25a Abs. 7 Nr. 3 UStG schließt bei der Differenzbesteuerung die Anwendung von § 3c und die Steuerbefreiung für innergemeinschaftliche Lieferungen aus. Die Marge gehört also nicht in die OSS-Meldung. Die Lieferung gilt dort als ausgeführt, wo die Beförderung oder Versendung beginnt (§ 3 Abs. 6 Satz 1 UStG); beginnt sie in Deutschland, versteuerst du die Marge in Deutschland, auch wenn der Kunde in einem anderen EU-Land wohnt. Wie du Neuware an Privatkunden im EU-Ausland meldest, steht in OSS für Amazon-Händler.
Welche Fehler passieren oft?
- Neuware vom Großhändler differenzbesteuert verkaufen. Hat der Großhändler die Lieferung an dich nach den allgemeinen Vorschriften besteuert, also weder ohne geschuldete Umsatzsteuer noch differenzbesteuert geliefert, fehlt die Voraussetzung nach § 25a Abs. 1 Nr. 2 UStG.
- Steuer in der Rechnung ausweisen. Bei der Differenzbesteuerung findet der gesonderte Steuerausweis keine Anwendung (§ 14a Abs. 6 UStG).
- Ohne Einkaufsbeleg verkaufen. Ohne Einkaufspreis lässt sich die Differenz nicht nachweisen; die Aufzeichnungspflicht gilt für jeden Gegenstand.
- Differenzbesteuerte Verkäufe in die OSS-Meldung nehmen. § 3c UStG ist bei der Differenzbesteuerung ausgeschlossen.
- Beide Regelungen mischen. Regelbesteuerte und differenzbesteuerte Umsätze brauchen getrennte Aufzeichnungen.
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Häufige Fragen
Gilt die Differenzbesteuerung auch bei Amazon? Das Gesetz knüpft sie nicht an einen Verkaufskanal, sondern an die Voraussetzungen in § 25a Abs. 1 UStG: Wiederverkäufer, Einkauf ohne geschuldete Umsatzsteuer oder differenzbesteuert, kein Edelstein oder Edelmetall. Ausgeschlossen ist Ware, die steuerfrei innergemeinschaftlich an dich geliefert wurde (§ 25a Abs. 7 Nr. 1 Buchstabe a UStG).
Wie hoch ist die Steuer? Der allgemeine Satz von 19 Prozent auf die Differenz zwischen Verkaufs- und Einkaufspreis, wobei die Umsatzsteuer nicht zur Bemessungsgrundlage gehört (§ 25a Abs. 3 und 5 UStG).
Darf ich auf der Rechnung Umsatzsteuer ausweisen? Nein, die Vorschrift über den gesonderten Steuerausweis findet keine Anwendung; die Rechnung enthält „Gebrauchtgegenstände/Sonderregelung“ (§ 14a Abs. 6 UStG).
Gehört differenzbesteuerte Ware in die OSS-Meldung? Nein. Die Anwendung von § 3c UStG ist bei der Differenzbesteuerung ausgeschlossen (§ 25a Abs. 7 Nr. 3 UStG, § 3c Abs. 5 Nr. 3 UStG).
Welche Unterlagen brauche ich? Aufzeichnungen mit Verkaufspreisen, Einkaufspreisen und Bemessungsgrundlagen (§ 25a Abs. 6 UStG), also zu jedem Gegenstand den Einkaufsbeleg.
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