Amazon Business und Reverse Charge: Welche Umsatzsteuer gilt bei B2B-Verkäufen?
Du verkaufst bei Amazon Business an Firmen und fragst, ob du Reverse Charge anwenden musst? Bei Waren an eine deutsche Firma meist nicht: Du weist die Umsatzsteuer aus. An eine Firma in einem anderen EU-Land mit gültiger USt-IdNr. lieferst du dagegen steuerfrei. Dort schuldet der Kunde die Steuer in seinem Land. Das Wort Reverse Charge meint im Alltag oft diesen zweiten Fall.
Zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2026
Kurz gesagt
- Deutsche Firma: Du weist 19 % oder 7 % aus; Reverse Charge nach § 13b UStG gilt nur für die dort genannten Umsätze.
- EU-Firma mit gültiger USt-IdNr.: Die Lieferung ist steuerfrei, wenn Versand und Nachweise stimmen (§ 4 Nr. 1 Buchst. b, § 6a UStG).
- Pflichten danach: Rechnung mit beiden USt-IdNr. bis zum 15. des Folgemonats und Meldung in der Zusammenfassenden Meldung.
Welche Umsatzsteuer gilt bei welchem Kunden?
| Kunde bei Amazon Business | Versand | Umsatzsteuer | Was auf die Rechnung kommt |
|---|---|---|---|
| Firma in Deutschland | Deutschland | Deutsche Umsatzsteuer (19 % oder 7 %) | Entgelt, Steuersatz, Steuerbetrag |
| Firma in einem anderen EU-Land, gültige USt-IdNr. | Ins EU-Ausland | Steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung | Beide USt-IdNr.; Hinweis auf die Steuerfreiheit |
| Firma im EU-Ausland, USt-IdNr. fehlt oder ungültig | Ins EU-Ausland | Nicht steuerfrei (§ 6a Abs. 1 Nr. 4 UStG) und kein Fernverkauf, wenn sie für ihr Unternehmen kauft (§ 3c Abs. 1 Satz 3 UStG): deutsche Umsatzsteuer (19 % oder 7 %) | Entgelt, Steuersatz, Steuerbetrag |
| Privatperson | Deutschland oder EU-Ausland | In Deutschland deutsche Umsatzsteuer; ins EU-Ausland Fernverkauf: Umsatzsteuer des Ziellandes (OSS) oder deutsche Umsatzsteuer unter der 10.000-Euro-Grenze (§ 3c UStG) | Keine deutsche Rechnungspflicht bei Waren (§ 14 Abs. 2 UStG); gilt die Steuer des Ziellandes und nutzt du den OSS nicht, gelten dessen Rechnungsregeln |
Das heißt für dich: Entscheidend sind Land und USt-IdNr. des Kunden, nicht, dass er über Amazon Business kauft.
Wann gilt Reverse Charge bei Waren in Deutschland?
Bei einer inländischen Lieferung schuldet normalerweise du als Verkäufer die Umsatzsteuer. Der Leistungsempfänger schuldet sie nur in den Fällen des § 13b UStG. Bei Waren sind das etwa Lieferungen von Mobilfunkgeräten, Tablet-Computern und Spielekonsolen sowie bestimmter integrierter Schaltkreise, wenn die Summe der Entgelte im Rahmen eines wirtschaftlichen Vorgangs mindestens 5.000 Euro beträgt (§ 13b Abs. 2 Nr. 10 UStG), und die Gegenstände der Anlage 4 ab derselben Summe (Nr. 11). Dann schuldet der Empfänger die Steuer, wenn er Unternehmer ist (§ 13b Abs. 5 UStG), und deine Rechnung trägt die Angabe „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“ (§ 14a Abs. 5 UStG).
Für die übliche Amazon-Business-Bestellung (Büroware, Zubehör, Ersatzteile) greift das nicht. Prüfe bei Elektronik in größeren Mengen, ob du in diese Fälle fällst.
Das heißt für dich: Bei normalen Waren an deutsche Firmen bleibt es bei der ausgewiesenen Umsatzsteuer; Reverse Charge nur bei den Fällen des § 13b.
Wann ist die Lieferung an eine EU-Firma steuerfrei?
Eine innergemeinschaftliche Lieferung liegt vor, wenn du oder dein Kunde die Ware in das übrige Gemeinschaftsgebiet befördert oder versendet, der Kunde ein dort für Umsatzsteuer erfasster Unternehmer ist, der Erwerb dort der Umsatzbesteuerung unterliegt und der Kunde dir eine gültige USt-IdNr. eines anderen Mitgliedstaates nennt (§ 6a Abs. 1 UStG). Du musst diese Voraussetzungen nachweisen (§ 6a Abs. 3 UStG). Die Lieferung ist dann steuerfrei, aber nur, wenn du deine Zusammenfassende Meldung richtig und vollständig abgibst (§ 4 Nr. 1 Buchst. b UStG).
Die Gültigkeit einer USt-IdNr. bestätigt dir das Bundeszentralamt für Steuern auf Anfrage (§ 18e UStG). Beruht die Steuerbefreiung auf unrichtigen Angaben des Kunden, die du auch mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns nicht erkennen konntest, bleibt die Lieferung steuerfrei, und der Kunde schuldet die Steuer (§ 6a Abs. 4 UStG).
Das heißt für dich: Hole die USt-IdNr. des Kunden, lasse sie vom BZSt bestätigen und bewahre die Belege zum Versand auf.
Was musst du nach der steuerfreien Lieferung tun?
- Rechnung: Stelle sie bis zum 15. Tag des Monats aus, der auf den Liefermonat folgt, mit deiner USt-IdNr. und der des Kunden (§ 14a Abs. 3 UStG).
- Voranmeldung: Trage den Umsatz als steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung ein (Kennzahl 41).
- Zusammenfassende Meldung: Melde die USt-IdNr. des Kunden und die Summe der Bemessungsgrundlagen an das BZSt (§ 18a UStG).
Beispiel: Du lieferst im November Ware für 1.200 Euro netto an eine Firma in Österreich mit gültiger USt-IdNr. Die Rechnung weist keine deutsche Umsatzsteuer aus und geht bis zum 15. Dezember raus. In der Voranmeldung November (oder im Quartal) stehen 1.200 Euro bei Kennzahl 41, in der Zusammenfassenden Meldung 1.200 Euro mit der österreichischen USt-IdNr.
Das heißt für dich: Steuerfrei liefern heißt: alle drei Schritte oben erledigen.
Was macht Amazon, was machst du?
Ob Amazon über den Umsatzsteuer-Berechnungsservice Rechnungen für dich erstellt, steht mit der Einrichtung in Amazon Umsatzsteuer-Berechnungsservice (VCS). Wann du selbst eine Rechnung schreibst: Amazon-Bestellung: Wann schreibst du eine Rechnung?. Die Meldepflichten bleiben bei dir. Mehr zum Fall mit mehreren Ländern: Innergemeinschaftliche Lieferung an Unternehmen.
Das heißt für dich: Die Meldungen bleiben deine Aufgabe, auch wenn Amazon Rechnungen erstellt.
Welche Fehler passieren oft?
- Reverse Charge für jede B2B-Bestellung anwenden. In Deutschland gilt es nur bei den Fällen des § 13b.
- Steuerfrei liefern ohne gültige USt-IdNr. Dann fehlt eine Voraussetzung des § 6a Abs. 1.
- Die Zusammenfassende Meldung vergessen. Ohne richtige ZM entfällt die Steuerfreiheit (§ 4 Nr. 1 Buchst. b UStG).
- Den Versandnachweis nicht aufheben. Du musst die Voraussetzungen nachweisen (§ 6a Abs. 3 UStG).
Das heißt für dich: Prüfe USt-IdNr., Versand und Meldung, bevor du eine Rechnung ohne Steuer ausstellst.
So hilft dir VAT GPT dabei
- Hochladen: Du lädst den Amazon-Transaktionsbericht (AVTR) als CSV hoch; VAT GPT erkennt ihn an der Spalte TAXABLE_JURISDICTION.
- Prüfen: VAT GPT ordnet die Verkäufe und rechnet Voranmeldung und OSS-Meldung aus; du prüfst und bestätigst.
- Senden: Voranmeldung und OSS-Meldung sendest du mit VAT GPT Pro über ELSTER. Eine Zusammenfassende Meldung erstellt VAT GPT nicht.
Es gibt Free (Grundfunktionen, kostenlos), Go (30 Tage kostenlos mit allen Pro-Funktionen) und Pro. Das Senden an ELSTER gehört zu Pro. Jetzt kostenlos testen
Häufige Fragen
Muss ich bei Amazon Business Reverse Charge anwenden? Bei Waren an deutsche Firmen in der Regel nicht; nur in den Fällen des § 13b UStG.
Wann ist eine Lieferung an eine EU-Firma steuerfrei? Wenn die Voraussetzungen des § 6a Abs. 1 UStG vorliegen und du sie nachweisen kannst.
Wie prüfe ich eine USt-IdNr.? Das BZSt bestätigt die Gültigkeit auf Anfrage (§ 18e UStG).
Bis wann muss die Rechnung raus? Bei innergemeinschaftlichen Lieferungen bis zum 15. des Folgemonats (§ 14a Abs. 3 UStG).
Gilt das auch für Kleinunternehmer? Nein, die Steuerbefreiung für innergemeinschaftliche Lieferungen findet nach § 19 Abs. 1 Satz 2 UStG keine Anwendung. Details: Amazon als Kleinunternehmer.
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