Amazon Gewerbesteuer: Wann Händler zahlen müssen
Du verkaufst bei Amazon und fragst dich, ob zur Umsatzsteuer und Einkommensteuer auch noch Gewerbesteuer kommt? Ja, sobald dein Gewerbeertrag im Jahr über 24.500 Euro liegt. Nur der Teil darüber wird besteuert. Darunter zahlst du nichts, als Kleinunternehmer genauso wie als Regelbesteuerer.
Zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2026
Kurz gesagt
- Freibetrag: Einzelunternehmer und Personengesellschaften haben 24.500 Euro Gewerbeertrag frei (§ 11 Abs. 1 GewStG).
- Rechnung: (Gewerbeertrag minus Freibetrag) mal 3,5 Prozent mal Hebesatz deiner Gemeinde.
- Kleinunternehmer: Die Kleinunternehmerregelung befreit nur von der Umsatzsteuer, nicht von der Gewerbesteuer.
Ist mein Amazon-Geschäft ein Gewerbebetrieb?
Der Gewerbesteuer unterliegt jeder stehende Gewerbebetrieb im Inland (§ 2 Abs. 1 GewStG). Ein Gewerbebetrieb ist eine selbständige, nachhaltige Tätigkeit mit Gewinnabsicht, mit der du am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr teilnimmst (§ 15 Abs. 2 EStG). Wer dauerhaft Ware über Amazon verkauft, um daran zu verdienen, erfüllt diese Merkmale in aller Regel. Ob das bei dir so ist, beurteilt am Ende das Finanzamt im Einzelfall.
Die Gewerbesteuer erhebt die Gemeinde, in der du eine Betriebsstätte hast (§ 4 Abs. 1 GewStG). Auch die Stätte der Geschäftsleitung ist eine Betriebsstätte (§ 12 AO). Bei Online-Händlern ist das meist die Gemeinde, von der aus sie ihr Geschäft führen, oft der eigene Wohnort.
Wie rechne ich meine Gewerbesteuer aus?
Du startest mit dem Gewinn aus deinem Gewerbebetrieb. Der Gewerbeertrag ist dieser Gewinn, vermehrt und vermindert um Hinzurechnungen und Kürzungen (§ 7 GewStG). Er wird auf volle 100 Euro abgerundet, dann ziehst du den Freibetrag von 24.500 Euro ab (§ 11 Abs. 1 GewStG). Auf den Rest kommen 3,5 Prozent Steuermesszahl (§ 11 Abs. 2 GewStG). Das Ergebnis ist der Steuermessbetrag. Erst mit dem Hebesatz deiner Gemeinde wird daraus die Gewerbesteuer (§ 16 Abs. 1 GewStG).
Ein Beispiel mit erfundenem Hebesatz von 400 Prozent, ohne Hinzurechnungen und Kürzungen:
| Schritt | Beispiel |
|---|---|
| Gewinn aus dem Gewerbebetrieb | 52.340 Euro |
| Gewerbeertrag, abgerundet auf volle 100 Euro | 52.300 Euro |
| Freibetrag | minus 24.500 Euro |
| Rest | 27.800 Euro |
| Steuermessbetrag (3,5 Prozent) | 973 Euro |
| Gewerbesteuer bei Hebesatz 400 Prozent | 3.892 Euro |
Deinen echten Hebesatz findest du bei deiner Gemeinde. Er ist grundsätzlich für alle Unternehmen dort gleich (§ 16 Abs. 4 GewStG). Gewinn ist hier das Ergebnis deiner Einnahmenüberschussrechnung; Amazon-Gebühren und andere Betriebsausgaben mindern ihn bereits. Mehr dazu in EÜR-Software für Online-Händler.
Was bleibt wirklich an Gewerbesteuer hängen?
Die Gewerbesteuer selbst ist keine Betriebsausgabe (§ 4 Abs. 5b EStG). Dafür mindert sie deine Einkommensteuer: Die Einkommensteuer ermäßigt sich um das Vierfache des Steuermessbetrags, höchstens aber um die tatsächlich zu zahlende Gewerbesteuer (§ 35 Abs. 1 EStG). Im Beispiel sind das 4 mal 973 Euro, also 3.892 Euro.
Liegt der Hebesatz deiner Gemeinde höher, bleibt ein Rest bei dir. Bei 450 Prozent wären es 4.378,50 Euro Gewerbesteuer. Angerechnet werden höchstens 3.892 Euro, bei dir bleiben 486,50 Euro. Wie viel du davon tatsächlich anrechnen kannst, hängt außerdem vom Ermäßigungshöchstbetrag ab (§ 35 Abs. 1 Satz 2 EStG). Den rechnet das Finanzamt in deiner Einkommensteuererklärung aus.
Gilt die Kleinunternehmerregelung auch für die Gewerbesteuer?
Nein. Die Kleinunternehmerregelung macht bestimmte Umsätze von der Umsatzsteuer frei: wenn dein Gesamtumsatz im Vorjahr 25.000 Euro nicht überschritten hat und im laufenden Jahr 100.000 Euro nicht überschreitet (§ 19 Abs. 1 UStG). Im Gründungsjahr gilt nur die Grenze von 25.000 Euro (Abschn. 19.1 Abs. 3 UStAE). Die Gewerbesteuer hängt dagegen am Gewerbebetrieb und am Gewerbeertrag. Auch als Kleinunternehmer gilt also der Freibetrag von 24.500 Euro, und auch dann kann eine Gewerbesteuererklärung fällig sein. Wo die Umsatzgrenzen liegen, steht in Kleinunternehmerregelung 2026: Grenzen und Folgen.
Wann gebe ich die Gewerbesteuererklärung ab?
Die Erklärung zur Festsetzung des Steuermessbetrags übermittelst du elektronisch (§ 14a GewStG), in ELSTER mit dem Formular GewSt 1 A. Du musst sie abgeben, wenn
- dein Gewerbeertrag den Betrag von 24.500 Euro überstiegen hat,
- zum Schluss des Vorjahres Fehlbeträge gesondert festgestellt waren oder
- das Finanzamt sie besonders verlangt (§ 25 Abs. 1 GewStDV).
Ohne Steuerberatung gilt: sieben Monate nach Ablauf des Kalenderjahres (§ 149 Abs. 2 AO). Für 2026 wäre das der 31. Juli 2027, ein Samstag. Die Frist endet daher am Montag, 2. August 2027 (§ 108 Abs. 3 AO). Mit Steuerberatung ist es der letzte Tag im Februar des zweiten Folgejahres (§ 149 Abs. 3 AO), für 2026 also Ende Februar 2028. Gibst du zu spät oder gar nicht ab, kann das Finanzamt einen Verspätungszuschlag festsetzen (§ 152 Abs. 1 AO).
Zahlen musst du die Gewerbesteuer in Vorauszahlungen am 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November, wenn die Gemeinde sie festsetzt. Jede beträgt grundsätzlich ein Viertel der Steuer der letzten Veranlagung (§ 19 GewStG). Die Details zur Erklärung stehen in Gewerbesteuererklärung: Wer muss sie abgeben?.
Und wenn ich Betriebsstätten in mehreren Gemeinden habe?
Dann wird der Steuermessbetrag auf die Gemeinden verteilt (§ 28 Abs. 1 GewStG), und du gibst zusätzlich eine Zerlegungserklärung ab (§ 14a GewStG). Wie die Zerlegung rechnet, erklärt Gewerbesteuererklärung: Wer muss sie abgeben? im Abschnitt zur Zerlegung.
So hilft dir VAT GPT dabei
Die Gewerbesteuererklärung braucht deinen Gewinn. Der kommt aus deinen Amazon-Zahlen.
- Lade deinen Amazon-Bericht und deine Rechnungen hoch. Die KI liest Beträge, Länder und Steuersätze aus; du prüfst und bestätigst.
- Erstelle im selben Konto deine EÜR. Die Gewerbesteuererklärung übernimmt den Gewinn aus der EÜR und zeigt dir Gewerbeertrag, Freibetrag und Steuermessbetrag.
- Trägst du den Hebesatz deiner Gemeinde ein, zeigt VAT GPT dir zusätzlich die Gewerbesteuer an. Den Hebesatz übermittelt VAT GPT nicht ans Finanzamt, er dient nur der Anzeige.
- Mit VAT GPT Pro sendest du die Erklärung über ELSTER.
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Häufige Fragen
Muss ich als Amazon-Händler Gewerbesteuer zahlen? Wenn dein Gewerbeertrag über 24.500 Euro liegt, ja. Darunter ist der Steuermessbetrag null.
Gilt der Freibetrag auch für eine GmbH? Nein. Die 24.500 Euro gelten bei natürlichen Personen und Personengesellschaften (§ 11 Abs. 1 GewStG).
Muss ich die Gewerbesteuererklärung abgeben, obwohl ich nichts zahle? Nur in den Fällen von § 25 Abs. 1 GewStDV: Gewerbeertrag über 24.500 Euro, festgestellte Fehlbeträge oder eine Aufforderung des Finanzamts. Bei Zweifeln fragst du dein Finanzamt.
Kann ich die Gewerbesteuer von der Steuer absetzen? Nicht als Betriebsausgabe (§ 4 Abs. 5b EStG), aber über die Anrechnung auf die Einkommensteuer (§ 35 EStG).
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