Steuern für Freiberufler in Deutschland: Überblick
Als Freiberufler zahlst du in der Regel Einkommensteuer und, wenn du kein Kleinunternehmer bist, Umsatzsteuer; Gewerbesteuer trifft nur Gewerbebetriebe, nicht die freiberufliche Tätigkeit (§ 2 Abs. 1 GewStG). Ohne Steuerberater gibst du Einkommen- und Umsatzsteuererklärung bis sieben Monate nach Ablauf des Kalenderjahres ab, für 2026 also bis Montag, 2. August 2027 (31. Juli 2027: Samstag).
Zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2026
Kurz gesagt
- Einkommensteuer-Vorauszahlungen: 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember (§ 37 Abs. 1 EStG).
- Gewinn: In der Regel per EÜR; die Buchführungsgrenzen des § 141 AO gelten für gewerbliche Unternehmer sowie Land- und Forstwirte.
- Mit Steuerberater: Die Frist endet am letzten Tag des Monats Februar des zweiten Folgejahres (§ 149 Abs. 3 AO).
Wer ist Freiberufler – und was bedeutet das steuerlich?
Das Einkommensteuergesetz zählt freiberufliche Tätigkeiten auf: die selbstständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit sowie die selbstständige Berufstätigkeit zum Beispiel von Ärzten, Rechtsanwälten, Ingenieuren, Architekten, Steuerberatern, Journalisten, Dolmetschern und Übersetzern und ähnlicher Berufe (§ 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG). Wer all das nicht ist, aber selbstständig, nachhaltig und mit Gewinnabsicht am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr teilnimmt, betreibt einen Gewerbebetrieb (§ 15 Abs. 2 EStG). Ob dein Beruf als freiberuflich gilt, entscheidet das Finanzamt; im Zweifel fragst du dort oder bei deinem Steuerberater nach.
Der Unterschied wirkt sich vor allem so aus:
| Freiberufler | Gewerbetreibender | |
|---|---|---|
| Einkunftsart | Einkünfte aus selbstständiger Arbeit (§ 2 Abs. 1 Nr. 3 EStG) | Einkünfte aus Gewerbebetrieb (§ 2 Abs. 1 Nr. 2 EStG) |
| Gewerbesteuer | Keine | Ja, mit Freibetrag von 24.500 Euro für natürliche Personen (§ 2 Abs. 1, § 11 Abs. 1 GewStG) |
| Gewinn | Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben möglich (§ 4 Abs. 3 EStG) | Buchführungspflicht möglich, wenn das Finanzamt mehr als 800.000 Euro Gesamtumsatz oder mehr als 80.000 Euro Gewinn feststellt (§ 141 Abs. 1 AO) |
| Anzeige | Aufnahme der Tätigkeit dem Finanzamt mitteilen (§ 138 Abs. 1 AO) | Betrieb der Gemeinde mitteilen (§ 138 Abs. 1 AO) |
Wie du deine Steuernummer bekommst, steht in Steuernummer beantragen.
Einkommensteuer für Freiberufler
Deine Einkünfte aus selbstständiger Arbeit unterliegen der Einkommensteuer (§ 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 EStG). Einkünfte sind dabei der Gewinn (§ 2 Abs. 2 Nr. 1 EStG), den du in der Regel mit der EÜR ermittelst: Betriebseinnahmen minus Betriebsausgaben (§ 4 Abs. 3 EStG). Die EÜR übermittelst du nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz elektronisch (§ 60 Abs. 4 EStDV); die Einkommensteuererklärung ebenfalls, wenn du Einkünfte aus selbstständiger Arbeit erzielst (§ 25 Abs. 4 EStG). Auf Antrag kann das Finanzamt zur Vermeidung unbilliger Härten auf die elektronische Übermittlung verzichten. Mehr zur EÜR: EÜR Vorlage: Einnahmenüberschussrechnung in ELSTER erstellen und senden.
Die Steuer bemisst sich nach dem zu versteuernden Einkommen, nicht nach dem Gewinn. Für 2026 gilt: Bis 12.348 Euro (Grundfreibetrag) beträgt die tarifliche Einkommensteuer 0. Darüber steigt sie nach Formeln in Stufen; ab 69.879 Euro zu versteuerndem Einkommen kommen 42 Prozent auf jeden weiteren Euro, ab 277.826 Euro 45 Prozent (§ 32a Abs. 1 EStG). Ehegatten mit Zusammenveranlagung zahlen das Zweifache des Steuerbetrags für die Hälfte ihres gemeinsamen Einkommens (§ 32a Abs. 5 EStG).
Vorauszahlungen: Du zahlst am 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember Vorauszahlungen auf die Steuer, die du für das Jahr voraussichtlich schuldest. Das Finanzamt setzt sie durch Vorauszahlungsbescheid fest; sie bemessen sich grundsätzlich nach der Einkommensteuer der letzten Veranlagung (§ 37 Abs. 1 und 3 EStG).
Umsatzsteuer für Freiberufler
Auch Freiberufler sind Unternehmer im Sinne des Umsatzsteuergesetzes, denn gewerblich oder beruflich ist jede nachhaltige Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen (§ 2 Abs. 1 UStG). Zwei Wege:
- Kleinunternehmer: Dein Umsatz ist steuerfrei, wenn der Gesamtumsatz im vorangegangenen Kalenderjahr höchstens 25.000 Euro betrug und im laufenden Jahr höchstens 100.000 Euro beträgt (§ 19 Abs. 1 UStG). Du weist dann keine Umsatzsteuer aus und hast keinen Vorsteuerabzug (Finanzamt Hessen). Details und die Verzichtsfalle: Umsatzsteuer-Voranmeldung als Kleinunternehmer: Muss ich?.
- Regelbesteuerung: Die Umsatzsteuer beträgt grundsätzlich 19 Prozent (§ 12 Abs. 1 UStG). Du gibst Voranmeldungen ab, und zwar bis zum zehnten Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums (§ 18 Abs. 1 UStG). Das ist das Kalendervierteljahr, bei mehr als 9.000 Euro Steuer im Vorjahr der Kalendermonat; nimmst du die Tätigkeit neu auf, entscheidet für die Jahre 2021 bis 2026 im Gründungsjahr die voraussichtliche Steuer des laufenden Jahres (über 9.000 Euro: Kalendermonat, sonst Kalendervierteljahr), und im Folgejahr die tatsächliche Steuer des Vorjahres, auf einen Jahresbetrag umgerechnet (§ 18 Abs. 2 Satz 6 UStG). Dazu kommt die Steuererklärung für das Kalenderjahr (§ 18 Abs. 3 UStG). Wie die Übermittlung in ELSTER läuft, steht in Umsatzsteuer-Voranmeldung (UStVA) online abgeben: Fristen und Dauerfristverlängerung.
Manche freiberuflichen Leistungen sind steuerfrei (zum Beispiel Heilbehandlungen, § 4 Nr. 14 UStG) oder ermäßigt (zum Beispiel Urheberrechte, § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. c UStG).
Freiberufler haben eine Besonderheit: Das Finanzamt kann auf Antrag gestatten, dass du die Steuer nicht nach den vereinbarten, sondern nach den vereinnahmten Entgelten berechnest, soweit du Umsätze aus einer Tätigkeit als Angehöriger eines freien Berufs ausführst (§ 20 Satz 1 Nr. 3 UStG). Die Umsatzsteuer schuldest du dann erst, wenn der Kunde bezahlt hat.
Hast du Auftraggeber in anderen EU-Ländern, gelten für Dienstleistungen an Unternehmer besondere Ortsregeln: Eine sonstige Leistung an einen Unternehmer für sein Unternehmen wird grundsätzlich dort ausgeführt, wo der Empfänger sein Unternehmen betreibt (§ 3a Abs. 2 UStG). Weitere Pflichten, etwa die Zusammenfassende Meldung (§ 18a UStG), prüfst du für deinen Fall gesondert.
Bis wann muss ich abgeben? Fristen im Überblick
| Was | Frist | Quelle |
|---|---|---|
| Einkommensteuer-Vorauszahlung | 10. März, 10. Juni, 10. September, 10. Dezember | § 37 Abs. 1 EStG |
| Umsatzsteuer-Voranmeldung | Zehnter Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums | § 18 Abs. 1 UStG |
| Einkommen- und Umsatzsteuererklärung ohne Steuerberater | Sieben Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, für 2025 also der 31. Juli 2026, für 2026 der 31. Juli 2027, der ein Samstag ist; die Frist endet dann am Montag, 2. August 2027 | § 149 Abs. 2 AO, § 108 Abs. 3 AO |
| Dieselben Erklärungen mit Steuerberater | Letzter Tag des Monats Februar des zweiten auf den Besteuerungszeitraum folgenden Kalenderjahres, für 2025 also der 28. Februar 2027, der ein Sonntag ist; die Frist endet dann am Montag, 1. März 2027 | § 149 Abs. 3 AO, § 108 Abs. 3 AO |
Das Finanzamt kann verlangen, dass du früher abgibst, zum Beispiel wenn du Erklärungen für das Vorjahr nicht oder verspätet abgegeben hast (§ 149 Abs. 4 AO). Gibt dir das Finanzamt eine Aufforderung, bist du zur Abgabe verpflichtet (§ 149 Abs. 1 Satz 2 AO).
Welche Fehler passieren oft?
- Gewerbesteuer einplanen, obwohl du freiberuflich arbeitest. Sie trifft nur Gewerbebetriebe (§ 2 Abs. 1 GewStG). Stuft das Finanzamt deine Tätigkeit als Gewerbe ein, ändert sich das.
- Die Vorauszahlungen vergessen. Sie sind vierteljährlich fällig (§ 37 Abs. 1 EStG), nicht erst mit dem Bescheid.
- Als Kleinunternehmer eine Voranmeldung abgeben. Unter Anwendung der Regelbesteuerung gilt sie grundsätzlich als Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung (Finanzamt Hessen).
- Umsatzsteuer in der Rechnung ausweisen, obwohl du Kleinunternehmer bist. Du musst stattdessen auf § 19 Abs. 1 UStG hinweisen (Finanzamt Hessen).
- Die Fristen verwechseln. Ohne Steuerberater gilt der 31. Juli, mit Steuerberater Ende Februar des zweiten Folgejahres (§ 149 AO).
- Belege wegwerfen. Buchungsbelege bewahrst du acht Jahre auf (§ 147 Abs. 3 AO).
So hilft dir VAT GPT dabei
VAT GPT erstellt deine Erklärungen aus deinen Belegen. In drei Schritten:
- Belege hochladen: Du lädst deine Rechnungen und Belege hoch. Die KI liest Beträge, Länder und Steuersätze aus; du prüfst und bestätigst.
- Erklärungen erstellen: VAT GPT erstellt Umsatzsteuer-Voranmeldung (monatlich oder vierteljährlich), Umsatzsteuer-Jahreserklärung, EÜR und Einkommensteuererklärung. In der Einkommensteuererklärung wählst du deine Rolle: Selbstständig (Freiberufler) oder Gewerbetreibend; sie führt einen Abschnitt Anlage EÜR.
- Senden: Mit VAT GPT Pro geht alles über ELSTER direkt ans Finanzamt.
Gründest du gerade? Im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung für Einzelunternehmen wählst du in VAT GPT, ob du die Kleinunternehmerregelung anwendest oder darauf verzichtest. Für deinen Steuerberater gibt es einen Datenexport mit deinen Belegen und einer DATEV-Datei. Es gibt Free (Grundfunktionen, kostenlos), Go (30 Tage kostenlos mit allen Pro-Funktionen) und Pro (49 € pro Monat oder 444 € pro Jahr, jeweils inkl. MwSt.). Jetzt kostenlos testen
Häufige Fragen
Zahle ich als Freiberufler Gewerbesteuer? Nein, Gewerbesteuer trifft nur Gewerbebetriebe (§ 2 Abs. 1 GewStG). Die freiberufliche Tätigkeit gehört nicht dazu (§ 15 Abs. 2 EStG).
Muss ich als Freiberufler Umsatzsteuer zahlen? Du bist Unternehmer (§ 2 Abs. 1 UStG). Bist du Kleinunternehmer, ist dein Umsatz steuerfrei (§ 19 Abs. 1 UStG); sonst gilt grundsätzlich der Satz von 19 Prozent (§ 12 Abs. 1 UStG).
Wie hoch ist der Grundfreibetrag? Für 2026 beträgt er 12.348 Euro (§ 32a Abs. 1 EStG).
Wann gebe ich die Einkommensteuererklärung ab? Ohne Steuerberater bis sieben Monate nach Ablauf des Kalenderjahres; mit Steuerberater bis Ende Februar des zweiten Folgejahres (§ 149 Abs. 2 und 3 AO).
Muss ich eine Bilanz machen? Als Freiberufler in der Regel nicht: Du kannst den Gewinn per EÜR ermitteln (§ 4 Abs. 3 EStG). Die Buchführungsgrenzen des § 141 AO betreffen gewerbliche Unternehmer sowie Land- und Forstwirte.
Muss ich meine freiberufliche Tätigkeit anmelden? Du teilst die Aufnahme dem zuständigen Finanzamt mit (§ 138 Abs. 1 AO).
Brauche ich Steuersoftware? Die Erklärungen musst du elektronisch übermitteln (§ 25 Abs. 4 EStG). Worauf es bei der Software ankommt, steht in Steuersoftware für Selbstständige: Worauf es ankommt.
Weiterlesen
- Steuersoftware für Selbstständige: Worauf es ankommt
- Umsatzsteuererklärung online abgeben: Frist, ELSTER, Software
- Umsatzsteuer-Voranmeldung als Kleinunternehmer: Muss ich?
- Gewerbesteuererklärung, auch für Kleinunternehmer und mit Zerlegung
Keine Steuerberatung: Die Inhalte ersetzen keine individuelle Beratung.