Umsatzsteuer für Freiberufler: Wann Voranmeldung, welcher Satz, welche Frist?
Auch als Freiberufler bist du Unternehmer im Sinne des Umsatzsteuergesetzes (§ 2 Abs. 1 UStG). Hattest du im Vorjahr höchstens 25.000 Euro Gesamtumsatz und hast du im laufenden Jahr höchstens 100.000 Euro, bist du Kleinunternehmer ohne Voranmeldung; sonst gibst du sie bis zum zehnten Tag nach dem Zeitraum ab (§ 18 Abs. 1 UStG).
Zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2026
Kurz gesagt
- Kleinunternehmer: Keine Umsatzsteuer auf der Rechnung, keine Voranmeldung, kein Vorsteuerabzug.
- Regelbesteuerung: Voranmeldung zum 10. Tag nach Quartal oder Monat, Zahlung am selben Tag.
- Ist-Versteuerung: Als Freiberufler kannst du beantragen, die Steuer erst nach Zahlung des Kunden abzuführen.
Muss ich als Freiberufler Umsatzsteuer zahlen?
Das hängt von deinem Umsatz ab, nicht von deinem Beruf. Freiberufliche Tätigkeit zählt zur beruflichen Tätigkeit im Sinne des Gesetzes; Unternehmer ist, wer sie selbstständig ausübt (§ 2 Abs. 1 UStG). Zwei Wege gibt es:
| Kleinunternehmer | Regelbesteuerung | |
|---|---|---|
| Voraussetzung | Gesamtumsatz im Vorjahr höchstens 25.000 Euro, im laufenden Jahr höchstens 100.000 Euro | alle anderen, oder wer auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet |
| Umsatzsteuer auf der Rechnung | steuerfrei, keine Umsatzsteuer ausgewiesen | 19 Prozent, in einzelnen Fällen 7 Prozent oder steuerfrei |
| Voranmeldung und Jahreserklärung | grundsätzlich keine | ja |
| Vorsteuer aus Einkäufen | nicht abziehbar | abziehbar |
Die Grenzen und die Wahl zwischen beiden Wegen: § 19 Abs. 1 UStG. Als Kleinunternehmer entfallen die Erklärungspflichten des § 18 Abs. 1 bis 4 UStG; verlangt das Finanzamt eine Erklärung, musst du abgeben (§ 149 Abs. 1 Satz 2 AO). Wie du zwischen beiden entscheidest, steht in Kleinunternehmer oder Regelbesteuerung.
Das heißt für dich: Rechne deinen Netto-Umsatz gegen 25.000 Euro; darüber bist du Regelbesteuerer und gibst Voranmeldungen ab.
Bis wann gebe ich die Umsatzsteuer-Voranmeldung ab?
Die Voranmeldung geht elektronisch bis zum zehnten Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums ans Finanzamt, und die Vorauszahlung ist am selben Tag fällig (§ 18 Abs. 1 UStG). Welcher Zeitraum für dich gilt:
| Deine Lage | Voranmeldungszeitraum | Fundstelle |
|---|---|---|
| Steuer im Vorjahr bis 9.000 Euro | Kalendervierteljahr | § 18 Abs. 2 Satz 1 UStG |
| Steuer im Vorjahr über 9.000 Euro | Kalendermonat | § 18 Abs. 2 Satz 2 UStG |
| Steuer im Vorjahr bis 2.000 Euro | Finanzamt kann von Voranmeldungen befreien | § 18 Abs. 2 Satz 3 UStG |
| Überschuss zu deinen Gunsten im Vorjahr über 9.000 Euro | Monat nach Wahl; Voranmeldung für Januar bis 10. Februar | § 18 Abs. 2a UStG |
| Tätigkeit neu aufgenommen, Besteuerungszeiträume 2021 bis 2026 | im Gründungsjahr zählt die voraussichtliche Steuer des laufenden Jahres, im Folgejahr die in eine Jahressteuer umgerechnete Steuer des Gründungsjahres | § 18 Abs. 2 Satz 6 UStG |
Sonst regelt Satz 4 den Zeitraum: im Gründungsjahr und im folgenden Jahr ist der Kalendermonat Voranmeldungszeitraum. Die Abweichung in Satz 6 nennt das Gesetz nur für die Besteuerungszeiträume 2021 bis 2026. Gründest du 2026, gibst du deshalb nach dem heutigen Wortlaut für 2027, dein Folgejahr, monatlich ab; für Gründungen ab 2027 gilt Satz 4 ebenfalls. Die Jahreserklärung kommt zusätzlich, nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz über die amtlich bestimmte Schnittstelle (§ 18 Abs. 3 UStG). Wie die Übermittlung in ELSTER läuft: Umsatzsteuer-Voranmeldung online abgeben.
Das heißt für dich: Prüfe vor jeder Frist, ob dein Zeitraum Quartal oder Monat ist; als Gründer ist er oft der Monat.
Muss ich die Umsatzsteuer erst zahlen, wenn der Kunde zahlt?
Ja, wenn das Finanzamt es dir gestattet. Als Angehöriger eines freien Berufs im Sinne des § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG kannst du beantragen, die Steuer nicht nach den vereinbarten, sondern nach den vereinnahmten Entgelten zu berechnen (§ 20 Satz 1 Nr. 3 UStG). Das gilt nur, soweit du Umsätze aus der freiberuflichen Tätigkeit ausführst. Dasselbe kann gestattet werden, wenn dein Gesamtumsatz im Vorjahr höchstens 800.000 Euro betrug (§ 20 Satz 1 Nr. 1 UStG). Wechselst du die Art der Berechnung, dürfen Umsätze nicht doppelt erfasst werden oder unversteuert bleiben (§ 20 Satz 3 UStG).
Das heißt für dich: Stellst du Rechnungen mit langem Zahlungsziel, stellst du den Antrag; so zahlst du Umsatzsteuer nur auf Geld, das du erhalten hast.
Welcher Steuersatz gilt für meine Honorare?
Der Regelsatz beträgt 19 Prozent (§ 12 Abs. 1 UStG). Für die Einräumung, Übertragung und Wahrnehmung von Rechten aus dem Urheberrechtsgesetz gelten 7 Prozent (§ 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. c UStG). Heilbehandlungen im Bereich der Humanmedizin sind steuerfrei, wenn Ärzte, Zahnärzte, Heilpraktiker, Physiotherapeuten, Hebammen oder ähnliche Heilberufe sie ausführen (§ 4 Nr. 14 Buchst. a UStG).
Das heißt für dich: Die meisten Beratungs-, Planungs- und Texthonorare tragen 19 Prozent; ein ermäßigter oder steuerfreier Satz braucht eine Norm.
Was gilt bei Auftraggebern im Ausland?
Eine sonstige Leistung an einen Unternehmer für sein Unternehmen wird grundsätzlich dort ausgeführt, wo der Empfänger sein Unternehmen betreibt (§ 3a Abs. 2 UStG). Für Honorare von Firmenkunden im Ausland ist deshalb meist nicht Deutschland der Leistungsort. Weitere Pflichten, etwa die Zusammenfassende Meldung, prüfst du für deinen Fall gesondert.
Das heißt für dich: Hast du Firmenkunden im Ausland, trennst du diese Umsätze von den inländischen, bevor du die Voranmeldung ausfüllst.
Wie bekomme ich einen Monat mehr Zeit?
Auf Antrag verlängert das Finanzamt die Fristen für Voranmeldung und Vorauszahlung um einen Monat (§ 46 UStDV). Reichst du Voranmeldungen monatlich ein, gilt das nur gegen eine Sondervorauszahlung von einem Elftel der Vorauszahlungen des Vorjahres (§ 47 Abs. 1 UStDV). Den Antrag stellst du bis zum Zeitpunkt, an dem die erste betroffene Voranmeldung fällig wird (§ 48 Abs. 1 UStDV). Alle Daten dazu: Dauerfristverlängerung und Sondervorauszahlung.
Das heißt für dich: Mit Dauerfrist wird aus dem 10. der 10. des Folgemonats; Monatszahler zahlen dafür einmal eine Sondervorauszahlung.
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Häufige Fragen
Muss ich als Freiberufler eine Umsatzsteuer-Voranmeldung abgeben? Nur als Regelbesteuerer. Als Kleinunternehmer entfallen die Erklärungspflichten (§ 19 Abs. 1 Satz 2 UStG); Ausnahmen erklärt Voranmeldung für Kleinunternehmer.
Wann ist die Umsatzsteuer-Voranmeldung fällig? Am zehnten Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums, also für das erste Quartal am 10. April; mit Dauerfristverlängerung einen Monat später (§ 18 Abs. 1 UStG, § 46 UStDV).
Zahle ich als Freiberufler Gewerbesteuer oder nur Umsatzsteuer und Einkommensteuer? Die Umsatzsteuer ist eine eigene Steuer neben der Einkommensteuer; die Übersicht steht in Steuern für Freiberufler.
Kann ich die Voranmeldung auf Papier abgeben? Nur auf Antrag zur Vermeidung unbilliger Härten; sonst elektronisch (§ 18 Abs. 1 Satz 2 UStG).
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